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05.12.2013 Symbolfigur der Proteste in der Ukraine
Ruslana harrt Tag und Nacht bei den Menschen auf dem Maidan aus

Ruslana, die bekannte Sängerin, die 2004 den Eurovision Song Contest („Wild Dances“) gewann, ist seit der ersten Stunde der Proteste vor knapp zwei Wochen an vorderster Front dabei, harrt Nacht für Nacht bei klirrender Kälte auf dem Maidan, dem Unabhängigkeitsplatz in Kiew aus. Dabei ist sie zu einer Symbolfigur der Pro-EU-Bewegung geworden.

„Es geht hier nicht um politische Parteien, sondern um die Menschen, die ein besseres Leben führen wollen“, sagt Ruslana, die mit vollem Namen Lyschytschko heißt, setzt sich schon seit vielen Jahren leidenschaftlich für eine EU-Zukunft ihres Landes ein. Nachdem der ukrainische Präsident Wiktor Janukowitsch vor zwei Wochen angekündigt hatte, ein seit Jahren ausgehandeltes Assoziationsabkommen mit der EU nicht unterzeichnen zu wollen, gingen die Menschen auf die Straße. Die Sängerin, Komponistin und Produzentin, die in ihrer Heimat ein Superstar mit Platinalben ist, rief jeden Tag zu Massenkundgebungen. Erst Zehntausende später Hunderttausende verwandelten den zentralen, in EuroMaidan umgetauften Unabhängigkeitsplatz der Hauptstadt Kiew in ein Meer aus blau-gelben ukrainischen und EU-Flaggen - und sie blieben Tag und Nacht.

Als am vergangenen Freitag Präsident Janukowitsch das Abkommen tatsächlich platzen ließ, schlugen die Forderungen um. Ruslana verlas eine Resolution der Oppositionsparteien, die eine Absetzung der Regierung verlangte. Wieder versammeln sich Hunderttausende. In der Nacht ist zunächst alles ruhig. Doch um vier Uhr morgens kommt es plötzlich zu gewaltsamen Übergriffen der Sicherheitskräfte gegen die friedlichen Demonstranten. Ruslana eilt den Aktivisten sofort zu Hilfe. „Es war schrecklich, die Polizei prügelte mit Schlagstöcken auf uns ein und trat am Boden Liegende mit Füßen“, berichtet ein Student. Ruslana sammelt die Verletzten ein und rettet sich mit ihnen in ein nahe gelegenes Kloster.
 

Die 40-jährige ist mehr denn je von ihrem Kampf überzeugt: „Eine Regierung, die unseren Kindern so etwas antut, hat keine Berechtigung mehr!“ Noch Tage später sitzt der Schock tief und viele Studenten brauchen psychologische Betreuung. „Die Platzwunden heilen, aber die seelischen Narben des brutalen Übergriffs werden die jungen Menschen nicht so schnell verarbeiten“.
 

Als Thorbjørn Jagland, Generalsekretär des Europarats zu Vermittlungsgesprächen nach Kiew kommt, appelliert Ruslana persönlich an ihn, die schrecklichen Vorkommnisse eingehend untersuchen zu lassen: „Hunderttausende von Ukrainern fordern nun die Einführung europäischer Werte in ihrem Land – insbesondere wollen sie eine Garantie von ihrer Regierung, dass friedliche Demonstranten nicht Gefahr laufen, zur Zielscheibe der Polizeiwillkür zu werden.“
 

Während Boxweltmeister Vitaly Klitschko, der als Vorsitzender seiner Partei Udar zusammen mit anderen Oppositionsführern die politischen Machtwechsel vorantreibt – so hatte er ein Misstrauensantrag gegen Ministerpräsident Nikolai Asarow initiiert, der im Parlament allerdings gescheitert ist - verkörpert Ruslana die menschliche Seite der Revolution.
 

„Diese Nacht war besonders kalt und windig“, schreibt die Sängerin morgens um 6 Uhr auf Facebook. Sie ist kein abgehobener Star, sondern bei den Menschen, harrt Tag und Nacht mit ihnen aus, für den gemeinsamen Traum einer Zukunft in der EU. Sie spricht mit den Menschen, tröstet und kümmert sich. Die Leute lieben sie dafür. „Sie ist unsere Heldin“, sagt eine ältere Dame, die sich auf dem Maidan an einer Feuertonne wärmt. Und auf ihrer Facebook-Seite, die in den letzten Tagen über 2.000 neue Likes hinzugewonnen hat, schreibt Inna: „Ruslana ist tapfer, aufrichtig, inspirierend und unterstützend – ein leuchtendes Beispiel für eine echte Patriotin und charismatische Anführerin“.
 

Die Künstlerin, die schon bei der prowestlichen Orangenen Revolution vor neun Jahren zur Ikone wurde, ist bekannt für ihr soziales Engagement. Zusammen mit Rocklegende Peter Maffay sammelte sie Spenden für Tschernobyl-geschädigte Kinder und sie unterstützte die Opfer einer Flutkatastrophe in der Westukraine. Auch erneuerbaren Energien gilt ihr Einsatz, hauptsächlich aus Umweltgründen, aber auch, um von russischem Gas unabhängig zu werden. Auf dem Dach ihres Hauses in einem Kiewer Vorort hat sie eine Solaranlage – echtes Neuland in dem ehemaligen Sowjetstatt.
 

Ruslana lebt ihre Träume aus tiefster Überzeugung. „Wir sind Teil der europäischen Gesellschaft und ich glaube fest daran, dass es nur eine Frage der Zeit ist, bis die Ukraine vollständig in der breiteren europäischen Zivilisation integriert sein wird. Unser Protest wird stärker und stärker. Wir bleiben, bis das Ziel erreicht ist!“

 


 

 

 

 

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